Kurz gesagt
Bei der atypischen Weidemyopathie schädigen Giftstoffe aus bestimmten Ahornarten den Muskelstoffwechsel. In Europa spielt der Bergahorn eine wesentliche Rolle. Betroffene Pferde brauchen rasch tierärztliche Hilfe, auch wenn sie noch fressen.
Was hinter der Muskelkrankheit steckt
Der Giftstoff Hypoglycin A kann nach der Aufnahme von Bergahornsamen oder Keimlingen den Energiestoffwechsel der Muskulatur stören. Die Erkrankung ist deshalb nicht mit gewöhnlichem Muskelkater nach Arbeit gleichzusetzen. Sie kann bei Pferden auftreten, die zuvor keiner besonderen Belastung ausgesetzt waren. [1]
Welche Anzeichen sofortige Aufmerksamkeit brauchen
Pferde können plötzlich steif gehen, zittern, schwitzen oder zunehmend schwach werden. Auch Kolikzeichen und erschwerte Atmung sind möglich. Auffällig dunkler Urin kann durch freigesetzte Muskelbestandteile entstehen. Ein Pferd muss nicht alle Anzeichen gleichzeitig zeigen, damit der Verdacht ernst genommen wird. [1]
Manche betroffenen Pferde fressen weiter und setzen noch Kot ab. Das schließt Muskelschäden nicht aus. Nennen Sie der Praxis die zuletzt genutzte Weide und mögliche Ahornpflanzen. [2]
Wie der Verdacht untersucht wird
Die Praxis bewertet den Zustand des Pferdes zusammen mit seiner Weidevorgeschichte. Blutuntersuchungen können eine starke Erhöhung von Muskelenzymen zeigen. Spezialisierte Labore können Giftstoff beziehungsweise zugehörige Stoffwechselprodukte nachweisen. Die akute Versorgung richtet sich nach dem Zustand und darf nicht allein auf ein späteres Laborergebnis warten. [2]
Welche Hilfe die Klinik leisten kann
Die Behandlung unterstützt den Kreislauf und den gestörten Stoffwechsel. Je nach Befund sind Infusionen, Schmerzbehandlung und eine angepasste Energieversorgung erforderlich. Ein spezifisches Gegenmittel steht nicht zur Verfügung. Weil die Erkrankung schwer verlaufen kann, bleibt die Prognose vorsichtig zu beurteilen. [2]
Wie Sie das Risiko auf der Weide begrenzen
Lassen Sie verdächtige Bäume fachkundig bestimmen. Kontrollieren Sie auch Flächen ohne eigenen Ahornbaum: Samen können vom Wind eingetragen werden. Belastete Teilflächen sollten für Pferde unzugänglich bleiben. Sind Samen oder Keimlinge weit verteilt, braucht es eine andere geeignete Aufenthaltsfläche. [3]
Mähen allein macht die Keimlinge nicht unschädlich. Auch getrocknetes Pflanzenmaterial kann problematisch bleiben. Besprechen Sie Weidewechsel, Futterversorgung und die Beurteilung weiterer Pferde derselben Fläche mit Ihrer Praxis. Frühere unauffällige Weidejahre bieten keine verlässliche Entwarnung. [3]
Was den Umfang der Versorgung bestimmt
Bei einem erkrankten Pferd können intensive Betreuung, wiederholte Blutuntersuchungen und Infusionen nötig sein. Welche Maßnahmen erforderlich sind, hängt von der Muskelschädigung und dem Allgemeinzustand ab. Fragen Sie das behandelnde Team, welche Veränderungen es eng überwacht und wann es die weitere Entwicklung neu beurteilt. [1]
Häufige Fragen
Sind nur junge Pferde durch atypische Weidemyopathie gefährdet?
Nein. Jüngere Tiere können besonders häufig betroffen sein, die Erkrankung kommt aber in verschiedenen Altersgruppen vor. Das Alter allein ist kein ausreichender Schutz. [3]
Ist die Gefahr auf den Herbst begrenzt?
Nein. Neben der Samenaufnahme im Herbst spielt die Aufnahme von Keimlingen im Frühjahr eine Rolle. Das Risiko hängt von den vorhandenen Pflanzenbestandteilen und den Bedingungen vor Ort ab. [3]
Bedeutet normaler Appetit, dass es keine Weidemyopathie ist?
Nein. Appetit schließt eine Muskelschädigung nicht aus. Schwäche oder Muskelzittern nach Weidegang müssen trotzdem sofort abgeklärt werden. [2]
Diese Inhalte bieten allgemeine Informationen. Sie ersetzen weder tierärztlichen Rat noch eine Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Wir sind eine Versicherungsagentur, keine Tierarztpraxis. Bei Beschwerden fragen Sie bitte Ihre Tierarztpraxis, bei Warnzeichen sofort den Notdienst.
Quellen
- Aktuelle Information zur atypischen Myopathie: Bergahorn kann eine tödliche Bedrohung für Pferde darstellen
Veterinärmedizinische Universität Wien - Equine Hospital Newsletter – Winter 2023/24: Atypical myopathy
University of Edinburgh, Royal (Dick) School of Veterinary Studies - Answers to the Frequently Asked Questions Regarding Horse Feeding and Management Practices to Reduce the Risk of Atypical Myopathy
Votion et al., Animals 2020; Université de Liège
Stand: Oktober 2026. Mit diesen Stellen arbeiten wir nicht zusammen, wir nutzen nur ihre veröffentlichten Informationen.
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